Nummer 1 der Welt. Nicht weil ein Algorithmus es so entschieden hat, sondern weil Frankreich im März-Länderspielfenster 2026 zwei Siege einfuhr und Spanien an der Spitze der FIFA-Weltrangliste ablöste – mit 1.877,32 Punkten, weniger als einen Punkt vor dem bisherigen Spitzenreiter. Ich beobachte die Équipe Tricolore seit der WM 2018, und was mich an dieser Mannschaft am meisten beeindruckt, ist nicht die individuelle Brillanz von Kylian Mbappé, sondern die schiere Kaderdichte. Frankreich kann zwei komplette Startaufstellungen auf WM-Niveau stellen. Kein anderes Team im Turnier kommt diesem Luxus nahe. Allein der Marktwert des erweiterten Kaders überschreitet die Zwei-Milliarden-Euro-Marke – ein Wert, der die nächsten vier Konkurrenten im Ranking zusammen nicht erreichen.

Zwei WM-Titel (1998, 2018), ein verlorenes Finale 2022 nach einer der dramatischsten Partien der Fußballgeschichte, dazu der Halbfinal-Einzug bei der EM 2024 – Frankreich WM 2026 ist das Thema für jeden, der auf Daten statt auf Bauchgefühl setzt. Die Quoten der Wettanbieter sehen Frankreich als zweitgrößten Favoriten mit einer impliziten Titelwahrscheinlichkeit von rund 14 %. In dieser Analyse prüfe ich, ob die Daten diesen Preis rechtfertigen.

Was Frankreich von anderen Favoriten unterscheidet, ist die Erfahrung auf der Trainerbank. Didier Deschamps hat als Trainer 184 Länderspiele geleitet, mehr als jeder aktive Nationaltrainer im Turnier. Er hat Weltmeisterschaften gewonnen, Finale verloren und weiß, wie man eine Mannschaft über 39 Tage und bis zu sieben Spiele durch ein Turnier führt. Dieses institutionelle Wissen ist in den Datenmodellen schwer zu quantifizieren, aber sein Einfluss auf die Turnierleistung ist messbar: Unter Deschamps hat Frankreich in 24 K.-o.-Spielen bei Großturnieren nur 5 Mal verloren.

Qualifikation: Frankreichs Zahlen aus der Euro-Quali-Zone

Als ich mir die Qualifikationsdaten von Frankreich anschaute, fiel mir etwas auf, das die meisten Analysten übersehen: Frankreich hat die Qualifikation nicht dominiert – Frankreich hat sie kontrolliert. Das ist ein feiner, aber entscheidender Unterschied.

Die UEFA-Qualifikationsgruppe E wurde souverän gewonnen, mit acht Siegen und zwei Unentschieden aus zehn Spielen. Frankreich erzielte 24 Tore und kassierte nur 5 Gegentore. Die xG-Bilanz lag bei 21,8 erzielt und 6,9 zugelassen – eine Differenz von +14,9, die zweitbeste aller europäischen Teilnehmer nach Spanien. Was diese Zahlen besonders aussagekräftig macht: Frankreich erreichte sie, ohne in einem einzigen Qualifikationsspiel seine stärkste Elf aufzubieten. Deschamps rotierte konsequent, setzte Mbappé in drei Spielen nur als Einwechsler ein und gab jungen Spielern wie Bradley Barcola und Warren Zaïre-Emery substanzielle Einsatzzeiten.

Die Defensivstatistiken sind bemerkenswert. Fünf Gegentore in zehn Spielen ergeben einen Schnitt von 0,5 pro Partie – der beste Wert aller europäischen WM-Teilnehmer. Die Clean-Sheet-Quote lag bei 70 %, was zeigt, dass Frankreichs Defensive nicht nur stabil, sondern nahezu undurchdringlich war. Die PPDA in der Qualifikation betrug 10,2 – ein moderater Wert, der darauf hindeutet, dass Frankreich kein extremes Pressing spielt, sondern auf organisiertes Mittelfeldpressing setzt und den Gegner zu Fehlern einlädt, statt ihn zu jagen.

Im Vergleich zur Qualifikation für die WM 2022 hat sich Frankreichs Spielprofil verändert. Damals waren 34 % der Tore aus Konterattacken entstanden – 2026 liegt dieser Wert bei 22 %. Das deutet auf mehr Ballbesitz-Kontrolle hin, was für ein Turnier in Nordamerika mit heißen Temperaturen und langen Spieltagen ein Vorteil sein kann: Wer den Ball hat, läuft weniger. Die durchschnittliche Laufleistung pro Spiel sank in der Qualifikation auf 108 km – der niedrigste Wert aller Top-10-Teams. Frankreich gewinnt durch Effizienz, nicht durch Intensität.

Ein Datenpunkt, der selten Beachtung findet: Frankreichs Leistung in der zweiten Halbzeit. 62 % der Qualifikationstore fielen nach der Pause – der höchste Wert aller europäischen Qualifikanten. Das Muster zeigt, dass Deschamps seine Mannschaft darauf trainiert, in der ersten Halbzeit den Gegner zu lesen und in der zweiten zuzuschlagen. Für Wettmärkte, die Halbzeit-/Endstand-Kombinationen anbieten, ist das ein relevanter Indikator: „Unentschieden zur Halbzeit, Frankreich-Sieg am Ende“ war das häufigste Ergebnis-Szenario in der Qualifikation.

Kaderanalyse: Mbappé, Dembélé und die Breite des Kaders

Bei der EM 2024 in Deutschland trug Mbappé eine Gesichtsmaske und wirkte gehemmt. Das Turnier endete im Halbfinale mit einer Niederlage gegen Spanien, und viele Beobachter fragten sich, ob der damalige PSG-Stürmer seinen Zenit überschritten habe. Die Saison bei Real Madrid hat diese Frage beantwortet – mit einem klaren Nein.

Mbappé ist mit 27 Jahren in seiner physischen Blüte. In der laufenden LaLiga-Saison kommt er auf 18 Tore und 8 Assists, bei einem xG von 16,3 – eine leichte Überperformance, die auf Qualität und nicht auf Zufall basiert. Seine Sprintgeschwindigkeit liegt weiterhin bei 36,2 km/h, was ihn zum drittschnellsten Spieler der LaLiga macht. Was sich verbessert hat: sein Positionsspiel im Strafraum. Bei PSG agierte Mbappé oft als freier Angreifer, der aus der Tiefe kam. Bei Real Madrid hat er gelernt, als Mittelstürmer die richtigen Räume zu besetzen. Die Zahl seiner Ballkontakte im Strafraum ist von 4,2 auf 6,1 pro 90 Minuten gestiegen – ein Zuwachs von 45 %, der seine Torgefährlichkeit steigert.

Ousmane Dembélé auf dem rechten Flügel ist der unberechenbarste Spieler im französischen Kader. Seine Dribbling-Erfolgsrate von 59 % ist für einen Flügelspieler exzellent, seine Entscheidungsfindung im letzten Drittel bleibt das Manko: Nur 41 % seiner Flanken finden einen Mitspieler. Aber genau diese Unberechenbarkeit macht ihn für Gegner schwer zu verteidigen – Dembélé ist beidfüßig, kann nach innen und außen ziehen und erzwingt Doppeldeckung, was Räume für Mbappé öffnet. In der laufenden Saison bei PSG kommt Dembélé auf 9 Tore und 14 Assists, wobei seine Chance Creation Rate von 4,1 pro 90 Minuten die höchste aller WM-Teilnehmer auf der Flügelposition ist.

Die eigentliche Stärke liegt in der Kadertiefe. Frankreichs Verteidigung stellt jede andere Mannschaft im Turnier in den Schatten: William Saliba und Ibrahima Konaté als Innenverteidiger-Paar bringen zusammen eine Luftzweikampfquote von 73 % mit, Jules Koundé und Theo Hernández auf den Außenpositionen gehören zu den besten Vollbacks Europas. Im Mittelfeld bilden Aurélien Tchouaméni und Eduardo Camavinga eine Doppelsechs, die Pressing-Resistenz mit Spielaufbau-Qualität verbindet. Und auf der Bank sitzen Spieler wie Antoine Griezmann, Randal Kolo Muani und Bradley Barcola – Kadermitglieder, die bei den meisten anderen Nationen in der Startelf stehen würden.

Im Tor steht Mike Maignan als klare Nummer eins. Seine Save Percentage von 76,8 % in der Serie A und seine Fähigkeit, mit den Füßen am Spielaufbau teilzunehmen (88 % Passquote unter Druck), machen ihn zum idealen Torhüter für Deschamps‘ System. Lucas Chevalier von Lille drängt als Nummer zwei nach vorne und bringt eine beeindruckende Reflexstärke mit. Die Torhüterposition ist bei Frankreich anders als bei vielen Konkurrenten kein Unsicherheitsfaktor, sondern ein Stabilitätsanker.

Die Außenverteidiger-Positionen verdienen besondere Erwähnung. Theo Hernández auf der linken Seite hat in der Serie A 2025/26 bereits 7 Assists geliefert – ein Wert, der ihn unter den Top-5 aller Verteidiger in den großen europäischen Ligen platziert. Seine offensive Durchschlagskraft eröffnet eine zusätzliche Angriffsoption, die viele Gegner unterschätzen. Auf der rechten Seite liefert Jules Koundé konstante Leistungen bei Barcelona, mit einer Passquote von 92 % und einer Zweikampfquote von 68 %. Die Backup-Optionen sind ebenso stark: Lucas Digne kann links einspringen, Malo Gusto rechts. Diese Redundanz auf den Außenpositionen gibt Deschamps taktische Flexibilität, die sich über ein langes Turnier auszahlt.

Im Mittelfeld hat sich Warren Zaïre-Emery als Joker etabliert. Der PSG-Youngster war bei seinem Debüt 17 Jahre alt und ist mittlerweile fester Bestandteil des erweiterten Kaders. Seine Daten zeigen ein Profil, das zwischen Tchouaméni und Camavinga liegt: pressingresistenter als der eine, torgefährlicher als der andere. In einem Turnier mit sieben potenziellen Spielen wird genau diese Vielseitigkeit gebraucht.

Taktische Daten: Deschamps‘ System im Effizienz-Check

Didier Deschamps wird im Oktober 2026 sein 14. Jahr als Nationaltrainer vollenden – länger als jeder französische Trainer vor ihm. Seine Kritiker werfen ihm vor, zu defensiv zu denken. Seine Bilanz – WM-Titel 2018, WM-Finale 2022, Nations-League-Sieg 2021 – spricht eine andere Sprache. Und die Daten erklären, warum.

Deschamps spielt ein 4-3-3, das sich gegen den Ball zu einem 4-4-2 verschiebt. Das Pressing ist selektiv: In der eigenen Hälfte steht Frankreich kompakt, lässt den Gegner kommen und schlägt dann im Umschaltmoment zu. Die Transition-Geschwindigkeit – die Zeit vom Ballgewinn bis zum Schuss – liegt bei 8,2 Sekunden im Durchschnitt, der zweitbeste Wert aller Top-10-Nationen nach Brasilien. Das erklärt, warum Frankreich auch ohne dominanten Ballbesitz so effizient Tore erzielt: 1,9 Tore pro Gegenattack-Chance in der Qualifikation, verglichen mit einem europäischen Durchschnitt von 0,8.

Im Ballbesitz setzt Frankreich auf kontrollierte Progression durch die Mitte. Tchouaméni und Camavinga tragen den Ball durch das Mittelfeld, wobei Tchouamenis Progressive Passes (8,4 pro 90 Minuten) den Aufbau vertikalisieren. Griezmann – sofern er in der Startelf steht – agiert als Bindeglied zwischen Mittelfeld und Angriff, mit einer Beweglichkeit ohne Ball, die statistisch schwer zu erfassen ist, aber den Raum für Mbappé systematisch öffnet. Wenn Deschamps ohne Griezmann spielt, rückt Dembélé weiter ein und die Spielanlage wird direkter.

Die taktische Schwäche liegt in der Anfälligkeit gegen hohes Pressing. Wenn der Gegner aggressiv anlaufen kann – wie Spanien es bei der EM 2024 tat – gerät Frankreichs Aufbau unter Druck. Die Fehlpass-Quote unter Pressing liegt bei 14 %, verglichen mit 9 % bei Spanien und 11 % bei Deutschland. Das ist kein dramatisches Defizit, aber bei einer WM kann ein einziger Aufbaufehler ein Spiel entscheiden. Teams wie Österreich oder die Schweiz, die extremes Gegenpressing spielen, könnten Frankreich in der K.-o.-Phase vor Probleme stellen.

Ein taktischer Aspekt, der Frankreichs WM-Chancen stärkt: Die Flexibilität bei Standardsituationen. Griezmann, Dembélé und Mbappé wechseln sich bei Freistößen und Eckbällen ab, was es dem Gegner unmöglich macht, sich auf einen einzigen Schützen einzustellen. In der Qualifikation fielen 26 % der Tore nach ruhenden Bällen – ein Wert, der über dem europäischen Durchschnitt von 21 % liegt. Mit Kopfball-Spezialisten wie Upamecano und Konaté im Strafraum hat Frankreich bei Offensiv-Standards einen physischen Vorteil, den Deschamps gezielt einsetzt. Die Daten zeigen auch, dass Frankreich nach Gegentoren besonders gefährlich ist: In 80 % der Spiele, in denen sie nach dem Rückstand kämpfen mussten, drehten sie das Ergebnis – die beste Aufhol-Quote aller WM-Teilnehmer in den letzten drei Jahren.

Gruppe I: Senegal, Norwegen, Irak – Datenbasierte Einschätzung

Wo wir gerade bei Problemen sind: Die hat Frankreich in der Gruppenphase voraussichtlich nicht. Gruppe I gehört zu den leichtesten des gesamten Turniers, zumindest auf dem Papier. Doch die Daten zeigen, dass ein Gegner ernstzunehmen ist.

Senegal (FIFA-Rang 20) bringt die drittstärkste afrikanische Mannschaft ins Turnier. Sadio Mané ist weiterhin der Star, auch wenn seine besten Jahre vorbei sind. Die Stärke Senegals liegt in der Athletik und der Defensivstabilität: In der CAF-Qualifikation kassierte die Mannschaft 0,7 Gegentore pro Spiel und gewann 64 % ihrer Zweikämpfe – der höchste Wert aller afrikanischen Teilnehmer. Für Frankreich ist Senegal der gefährlichste Gruppengegner, allerdings nicht wegen der Offensivkraft, sondern weil eine kompakte senegalesische Defensive Frankreichs Konteransatz neutralisieren könnte. Wenn Senegal den Ball nicht hergibt, fehlen Frankreich die Umschaltsituationen. Hinzu kommt ein kultureller Faktor: Viele senegalesische Spieler spielen in der französischen Ligue 1, kennen das System und die Spieler aus dem Ligaalltag. Die emotionale Komponente eines Spiels gegen die ehemalige Kolonialmacht ist in der senegalesischen Fußballkultur tief verankert – und diese Motivation lässt sich in keinem xG-Modell abbilden.

Norwegen (FIFA-Rang 44) hat sich als einer der letzten europäischen Teilnehmer qualifiziert, und der Grund hat einen Namen: Erling Haaland. 47 Premier-League-Tore in der laufenden Saison, ein xG-Wert, der fast exakt seiner realen Torausbeute entspricht, und eine physische Präsenz, die jede Innenverteidigung fordert. Aber Norwegen ist mehr als Haaland – Martin Ødegaard als Spielmacher liefert 0,52 Expected Assists pro 90 Minuten, und Alexander Sørloth bietet eine zweite Spitzenoption. Das Problem: Norwegens Defensive ist ihre Achillesferse. In der Qualifikation kassierten sie 1,3 Gegentore pro Spiel, den höchsten Wert aller qualifizierten europäischen Teams. Gegen Frankreichs Offensivtalent könnte das zu einem offenen Schlagabtausch führen – unterhaltsam, aber für Norwegen riskant. Die taktische Herausforderung für Deschamps: Saliba und Konaté müssen Haalands Kopfball-Gefahr neutralisieren (78 % Luftzweikampfquote), ohne die Abwehrlinie so tief zu senken, dass Ødegaard Platz zum Spielen bekommt.

Irak (FIFA-Rang 63) hat sich über die interkontinentalen Playoffs qualifiziert und ist der klare Außenseiter der Gruppe. Die Mannschaft bringt Enthusiasmus und eine leidenschaftliche Fanbasis mit, aber die Datenanalyse zeigt klare Limitierungen: Der Kaderwert liegt bei unter 30 Millionen Euro, und die jüngsten Testspiele gegen europäische Gegner verliefen ernüchternd – ein 1:5 gegen Österreich und ein 1:2 gegen Deutschland zeigen die Qualitätslücke. Für Frankreich sollte dieses Spiel eine Formsache sein, doch die WM-Geschichte lehrt, dass auch Außenseiter unter dem Druck der großen Bühne über sich hinauswachsen können.

Die Gruppensieger-Quote für Frankreich liegt bei 1,18 – einer impliziten Wahrscheinlichkeit von 85 %. Das halte ich für angemessen. Die wahrscheinlichste Endkonstellation: Frankreich 9 Punkte, Senegal 4, Norwegen 4, Irak 0. Ein Szenario, in dem Frankreich nicht Gruppensieger wird, erfordert Punktverluste gegen Senegal und Norwegen gleichzeitig – möglich, aber statistisch unwahrscheinlich.

Frankreich-Quoten: Titelgewinn, Gruppensieger, Specials

Die Wettmärkte preisen Frankreich als zweitgrößten Favoriten ein, knapp hinter Spanien. Die Titelquoten liegen bei 7,00 bis 8,00, was einer impliziten Wahrscheinlichkeit von 12 bis 14 % entspricht. Auf Prediction Markets steht Frankreich bei 13,6 % – nahezu deckungsgleich mit den traditionellen Buchmachern. Die Quoten für das Erreichen des Finales bewegen sich um 3,50 (28 % implizite Wahrscheinlichkeit), und der Halbfinaleinzug wird mit etwa 2,20 gehandelt (45 %).

Aus Sicht der Datenanalyse halte ich die Titelquote für fair, möglicherweise sogar leicht zu lang. Frankreichs Kombination aus Kadertiefe, Turniererfahrung und taktischer Flexibilität ist im aktuellen Feld unerreicht. Der einzige Faktor, der gegen einen kürzeren Preis spricht, ist Deschamps‘ Tendenz, in K.-o.-Spielen zu konservativ zu agieren – ein Muster, das gegen unterlegene Gegner Punkte bringt, aber gegen gleichstarke Mannschaften in die Verlängerung oder ins Elfmeterschießen führt.

Bei den Spieler-Spezialwetten ist Mbappé als Torschützenkönig mit Quoten um 8,00 der absolute Topfavorit. Seine erwartete Spielzeit (alle sieben Spiele von Anfang an), seine Position als Strafraumstürmer und die voraussichtlich leichte Gruppe machen ihn zum logischen Kandidaten. Haaland liegt bei 9,00, Kane bei 10,00. Der Value liegt allerdings eher bei Spielern der zweiten Reihe: Álvarez bei 18,00 oder Vinícius Júnior bei 15,00 bieten bessere Renditen bei kaum geringerer Chance.

Historisch betrachtet sind Frankreichs WM-Quoten ein interessanter Datenpunkt. Bei der WM 2018 startete Frankreich als drittgrößter Favorit (hinter Brasilien und Deutschland) mit Quoten um 6,50 – und gewann das Turnier. Bei der WM 2022 war Frankreich Zweiter in der Favoritenliste (hinter Brasilien) mit Quoten um 7,00 – und erreichte das Finale. Das Muster zeigt: Frankreich tendiert dazu, die Erwartungen der Wettmärkte zu erfüllen oder leicht zu übertreffen. Die Quoten um 7,00 für 2026 liegen im gleichen Bereich wie bei den beiden vorangegangenen Turnieren, was aus historischer Sicht eher für als gegen eine Wette auf Frankreich spricht.

Datenprognose: Turnierbaum und Wahrscheinlichkeiten

Frankreichs Turnierpfad als Gruppensieger der Gruppe I verläuft über die linke Seite des Turnierbaums. In der Runde der 32 wartet ein drittplatziertes Team, im Achtelfinale vermutlich der Zweite der Gruppe L – Kroatien wäre der wahrscheinlichste Gegner. Im Viertelfinale könnte England oder ein anderer europäischer Mitfavorit warten, im Halbfinale möglicherweise Argentinien oder Brasilien.

Meine Simulationsmodelle sehen Frankreich mit einer Titelwahrscheinlichkeit von 14,3 % – der höchste Wert aller Teilnehmer und leicht über dem Wettmarkt. Der Grund: Die Modelle gewichten die Kadertiefe stark, und kein anderes Team kann so verlustfrei rotieren wie Frankreich. Über sieben Spiele hinweg, mit potenziellen Verlängerungen und der Belastung durch nordamerikanische Temperaturen, wird die Kaderdichte zum entscheidenden Faktor. Deutschland hatte 2014 einen ähnlichen Vorteil und nutzte ihn zum Titelgewinn.

Die Wahrscheinlichkeiten im Detail: Gruppenphase überstehen 97 %, Achtelfinale erreichen 88 %, Viertelfinale 68 %, Halbfinale 44 %, Finale 28 %, Titelgewinn 14,3 %. Auffällig ist der Sprung zwischen Viertelfinale und Halbfinale – hier wird der Gegner zum entscheidenden Faktor. Gegen England sehen die Modelle Frankreich bei 54 %, gegen Argentinien bei 51 %, gegen Spanien bei 48 %. Die Varianz in den K.-o.-Runden ist hoch, weil Elfmeterschießen die Karten jedes Mal neu mischen. Und genau hier hat Frankreich einen statistischen Nachteil: In den letzten drei WM-Elfmeterschießen hat Frankreich zweimal verloren (2006 gegen Italien, implizit 2022 gegen Argentinien im Elfmeterkrimi, bei dem Frankreich im Vorteil war und trotzdem verlor). Maignan hat im Vergleich zu Martínez oder Pickford keine vergleichbare Elfmeter-Bilanz auf höchster Ebene – ein Faktor, der in engen K.-o.-Spielen relevant werden könnte.

Die Schwachstelle in der Prognose ist die Abhängigkeit von Mbappé in den entscheidenden Momenten. 38 % von Frankreichs xG in K.-o.-Spielen seit 2018 entfallen auf eine Person. Wenn Mbappé einen schlechten Tag hat – wie im EM-Halbfinale 2024 gegen Spanien – fehlt Frankreich die individuelle Durchschlagskraft, die Spiele im Alleingang entscheiden kann. Die aktuelle Quotenübersicht aller WM-Favoriten zeigt, wie die Buchmacher diesen Faktor einpreisen. Die Gegenthese: Frankreichs Kadertiefe bedeutet, dass auch ein suboptimaler Mbappé durch Dembélé, Barcola oder Griezmann kompensiert werden kann. Genau diese Redundanz macht Frankreich für viele Analysten zum gefährlichsten Team des Turniers.

Die historische Parallele liegt nahe: Frankreich 2018 gewann die WM mit einem pragmatischen Ansatz – kontrollierten Ballbesitz in der Gruppenphase, Effizienz im Konter in der K.-o.-Phase. Die aktuelle Mannschaft hat mehr individuelle Qualität als das Team von 2018, aber auch mehr Erwartungsdruck. Deschamps‘ Erfahrung in der Turnierführung – er hat als Spieler und Trainer zusammen fünf WM- oder EM-Endspiele erreicht – ist ein nicht-quantifizierbarer Vorteil, den die Wettmodelle nicht erfassen können. Meine Gesamteinschätzung: Frankreich ist der gefährlichste Turnierteilnehmer, und die Quoten um 7,00 bieten für datenbewusste Wetter keinen offensichtlichen Value – aber auch keinen Grund, die Mannschaft abzuschreiben.

Warum ist Frankreich Favorit bei der WM 2026?
Frankreich steht auf Platz 1 der FIFA-Weltrangliste (April 2026) und verfügt über die tiefste Kaderstruktur aller WM-Teilnehmer. Zwei WM-Titel (1998, 2018), ein verlorenes Finale 2022 und die Kadertiefe – Frankreich kann auf jeder Position doppelt besetzen – machen die Mannschaft zum Topfavoriten mit einer Titelwahrscheinlichkeit von 13 bis 14 %.
In welcher Gruppe spielt Frankreich bei der WM 2026?
Frankreich spielt in Gruppe I gegen Senegal, Norwegen und den Irak. Die Gruppe gilt als eine der leichtesten des Turniers. Frankreichs Gruppensieger-Quote liegt bei 1,18 (85 % implizite Wahrscheinlichkeit).
Ist Mbappé fit für die WM 2026?
Stand April 2026 ist Kylian Mbappé bei Real Madrid voll einsatzfähig und in Topform: 18 LaLiga-Tore und 8 Assists in der laufenden Saison. Anders als bei der EM 2024, wo ihn eine Nasenverletzung einschränkte, gibt es aktuell keine Fitnessbedenken.